Steuerliche Maßnahmen am Jahresende

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Für viele von uns steht der intensivste und kürzeste Monat vor der Türe. Da soll ich mich auch noch rasch mit der Steuer befassen? Ja, es könnte sich auszahlen, die eine oder andere Optimierung noch durchzuführen.
Das Angenehmste gleich vorweg: Nach den recht intensiven Änderungen in den vergangenen Jahren macht es vom jetzigen Standpunkt aus den Anschein, als wenn die aktuellen Änderungen überschaubar bleiben. Doch auch manch eine Änderung vom 1. Jänner 2016 wird erst jetzt so langsam spürbar.
Steuerliche Maßnahmen am Jahresende 2016
Besonders empfehlenswert ist es, einen kurzen Blick auf Ihr Anlagevermögen zu werfen. Haben Sie 2016 neues Anlagevermögen angeschafft, aber noch nicht in Betrieb genommen? Für die Abschreibung von Sachanlagevermögen (zum Beispiel Pkw) ist das Inbetriebnahmedatum maßgeblich. Darunter versteht man, wann Sie das erste Mal den Gegenstand betrieblich verwendet haben. Sollten Sie für Ihre Mitarbeiter im Jänner 2017 die Anschaffung von Dienstfahrzeugen andenken, könnte es empfehlenswert sein, diese Anschaffung noch in 2016 vorzuverlegen. Denn für den Grenzwert des CO2-Ausstoßes beim Sachbezug ist das Anschaffungsdatum relevant. Dieser Grenzwert ändert sich nämlich 2017 auf 127 g/km.

Aber auch beim Anlagevermögen „Gebäude“ gab es bereits 2016 Änderungen. Die Abschreibungssätze betragen jetzt 1,5 % bei Gebäuden für Wohnzwecke und 2,5 % für alle anderen. Wie sieht es mit der Werthaltigkeit Ihres Anlagevermögens aus? Sind Teilwerte Ihres Sachanlagevermögens gesunken? Wenn ja, so gehört dies dokumentiert! Auch beim Finanzanlagevermögen (beispielsweise Anleihen) ist ein eventueller Wertverlust zu überprüfen. Es zahlt sich aber auch aus, einen Blick auf den voraussichtlichen Gewinn zu werfen und eventuell zu investieren oder Investitionen vorziehen.
Zum begünstigten Anlagevermögen zur Optimierung des Gewinnfreibetrags zählen abnutzbare körperliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, wenn dessen betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer mindestens vier Jahre beträgt und einem inländischen Betrieb bzw. Betriebsstätte zurechenbar sind. Es sind auch Wohnbauanleihen für das Anlagevermögen für die Nutzung des Gewinnfreibetrags möglich, doch diese benötigen eine Widmung für mindestens vier Jahre. Der Gewinnfreibetrag kann bis zu 13 % des Gewinnes betragen. Bei Einkünften von mehr als 175.000 Euro pro Jahr kommt es zu einer Einschleifregel.

Wie sehen Ihre Rückstellungen aus?
Entscheidend sind die Verhältnisse am Bilanzstichtag, wobei auf den Kenntnisstand im Zeitpunkt der tatsächlichen Bilanzerstellung abzustellen ist. Das heißt, das Ereignis muss zwar schon vor dem Bilanzstichtag liegen oder wurzeln, aber ob eine Rückstellung gebildet werden muss, hängt dann aber von der jeweiligen Situation am Tag der Bilanzerstellung ab. Sie haben zum Beispiel vorsichtshalber eine Rückstellung für Prozesskosten 2015 gebildet, da Sie ein Kunde geklagt hat. Wenn Sie nun im Jahr 2017 den Prozess gewinnen, hängt es davon ab, ob Sie die nun umsonst gebildete Rückstellung 2016 auflösen müssen oder erst 2017, wenn das Urteil ergeht. Wenn das Urteil vor der Bilanzerstellung ergeht, müssen Sie die Rückstellung auflösen, wenn das Urteil nach dem Bilanzerstellungstag ergeht, ist sie erst 2017 aufzulösen. Änderungen gab es auch bei langfristigen Rückstellungen (mehr als zwölf Monate). Diese sind mit 3,5 % pro Jahr abzuzinsen.
Welche Gesetzesänderungen und aktuelle Entwicklungen wird es geben?
Am meisten wird sich nächstes Jahr bei der Personalverrechnung ändern. Beginnend mit 2016 sind Jubiläumsgelder nicht mehr sozialversicherungsfrei. Aber auch Prämien für Verbesserungsvorschläge und Diensterfindungsprämien sind nicht mehr lohnabgabenbegünstigt und auch nicht mehr sozialversicherungsfrei. Die Befreiung auf Haustrunk (Brauereien) und verbilligte Beförderungen (bei Personenbeförderungsunternehmen) sind gestrichen worden. Dafür gibt es seit 1. Jänner 2016 eine eigene Regel hinsichtlich der Lohnabgabenbefreiung von Mitarbeiterrabatten (20 % Freigrenze und 1.000 Euro Freibetrag).
Wichtige „To do‘s“ in der Payroll zum Jahresende ist auch die Kontrolle von Aufzeichnungen. Sind vor allem alle Fahrtenbücher und Reiseaufzeichnungen lückenlos ordentlich und nachvollziehbar geführt? Ist das Kilometergeld richtig berechnet, eventuell der halbe Sachbezug berücksichtigt worden? Wenn es zu Abweichungen (zum Beispiel andere Streckenwahl als Routenplaner) gekommen ist, ist dies ordentlich dokumentiert worden?
Das Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz wird mit 1. Jänner 2017 neu kodifiziert. Es kann mit Verwaltungsstrafen von 1.000 bis 50.000 Euro pro Fall gerechnet werden, wenn es zu Verstößen kommt! Strafbar ist die nicht vollständige Bezahlung eines kollektivvertraglich oder gesetzlich vorgesehenen Entgeltbestandteils etwa Zulagen, Zuschläge, 13./14. Gehalt, Grundlohn, Überstunden-Zuschläge etc. Besonders heikel kann dies in Branchen werden, die prinzipiell nur auf Kollektivvertragsbasis entlohnen und keinerlei Überzahlungen haben.
Eine positive Änderung 2017 gibt es bei der geringfügigen Beschäftigung. Hier fällt die tägliche Geringfügigkeitsgrenze. Jedes Beschäftigungsverhältnis, das weniger als einen Monat dauert, soll der Teilversicherung in der Unfallversicherung unterliegen, sofern die monatliche Geringfügigkeitsgrenze nicht überschritten wird. Es kommt auch zu einer vereinfachten Anmeldung vor Arbeitsantritt. Darin müssen alle Daten angegeben werden, ohne die eine Anmeldung nicht möglich ist. Alle Daten, die noch fehlen, müssen nicht wie bisher in der Vollanmeldung bekannt gegeben werden, sondern werden bei der monatlichen Beitragsgrundlagenmeldung gemeldet. Die neue monatliche Beitragsgrundlagenmeldung soll künftig den Beitragsnachweis und den Beitragsgrundlagennachweis ersetzen.

im Auftrag für Firmenflotte